Der Adventskalender - "Eine Erinnerung aus der Kindheit" - Daniel Hasler

Wie langsam Zeit doch vergehen kann. Vor Vorfreude zitternd wurde ich am Abend von meiner Mutter zu Bett gebracht. Ich bin sicher, sie hat meine unschuldige Frage “Wie lange geht's noch bis zum ersten Törchen?" beantwortet, ohne meine heimlichen Gedanken zu erraten. Ich hatte mir nämlich felsenfest vorgenommen, wieder aufzustehen, wenn Mami und Papi tief und fest schliefen. Damit ich in aller Stille und unter höchster Geheimhaltung das Törchen vom nächsten Tag im Adventskalender öffnen konnte. Oder noch besser gleich zwei.

Ich war nämlich ein Meister im verdeckten Öffnen und Wiederverschliessen von Adventskalendertörchen. An bereits geöffneten Türchen übte ich immer wieder fleissig, bis ich es schaffte, offene Törchen wieder so zu verschliessen, dass man es unmöglich bemerken konnte. Unübertrefflich. Brillant.

Natürlich habe ich immer verschlafen.

Ausser an jenem einen Tag.


Ich weiss noch ganz genau, wie ich in jener Nacht aller Müdigkeit zum Trotz erwachte und wie mir der Gedanke an den Adventskalender blitzesgleich in die Knochen fuhr. Der dadurch verursachte Schmerz schien unerträglich. Später erfuhr ich, dass dieser Blitz aus Adrenalin bestand. Die Angst vor meinem eigenen Mut war derart gross, dass ich wie gelähmt in meinem Bett lag und fürchtete, mein Herzklopfen würde die Eltern aufschrecken. Und im ohrenbetäubenden Lärm meines rasenden Herzens war an die Durchführung meines heldenhaften Vorhabens natürlich nicht zu denken.

Und ich schlief irgendwann leise weinend wieder ein.

Im Dezember erschien ich immer pünktlich zur Schule. Nie stand ich schneller auf als im Dezember. Die Springfedern in meinem Bett standen im letzten Monat des Jahres jeweils unter ganz besonderer Spannung und katapultierten mich am Morgen so rabiat aus dem Bett, dass meine Mutter sich fragte, ob sie für den Rest des Jahres ebenfalls Adventskalender besorgen sollte, damit ich pünktlich zur Schule käme.

Wenn ich so zurückdenke, hat es vielleicht schon ein bisschen vermurkst ausgesehen, wie ich an jenem Morgen in Erwartung einer Moralpredigt an meiner Mutter vorbeigeschlichen bin. Dass Mütter Gedanken lesen können, ist schliesslich Allgemeinwissen. Unter dem Gewicht meines schlechten Gewissens, das man mir vermutlich bis heute noch ansieht, öffnete ich das Törchen unter dem wissenden und verstehenden Lächeln meiner Mutter. Der Inhalt, in aller Regel ein Schöggeli, war in diesem Alter ein Vermögen wert und wurde auf dem schnellsten Weg seiner Verdauung zugeführt.

Unaushaltbar der Gedanke, dass mir jemand hätte zuvorkommen können.

Und verständlich, dass in meiner Schreibtischschublade bis heute immer irgendein Schöggeli seiner Bestimmung harrt. Nicht nur im Dezember.


Dann sind es mehrere.

Sabine Giger vom Giger Verlag hat auch in diesem Jahr wieder einen Online-Adventskalender erstellt, der ein Geschenk für dich enthält. Keine Schöggeli (die sind bei mir in der Schreibtischschublade), sondern etwas anderes. Auch mein Buch “Lebenszahlen“ befindet sich hinter einem Törchen. Wenn du mehr herausfinden willst, klick täglich auf das aktuelle Törchen und freue dich auf deinen Gewinn!

Ich wünsche dir wundervolle Feiertage!

Herzlich

Dein Daniel

P.S. Mein Buch “Lebenszahlen – Menschen erkennen und besser verstehen“ eignet sich hervorragend als Geschenk. Sowieso sind Bücher hervorragende Geschenkideen. Sieh dich mal um im Giger Shop. Viel Spass!



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